Ausstellung SGBK April 2016 Bild 1

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Riehener Zeitung 8. April 2016

GALERIE BURGWERK Die Neumitgliederausstellung der Schweizerischen Gesellschaft Bildender Künstlerinnen fand in Riehen statt

Vier Arten, Kunst zu interpretieren

Riehener Zeitung 8. April 2016 Textteil

Die SGBK (Schweizerische Gesellschaft Bildender Künstlerinnen) zeigt von heute Abend bis zum 24. April vier ihrer Neumitglieder in der Galerie Burgwerk in Riehen. Eines wird beim Betrachten der Werke schnell klar: Verschiedener könnten die Arbeitsweisen der Künstlerinnen nicht sein.

Die in Rumänien aufgewachsene und heute in Delémont lebende Emilia Eni beispielsweise zeigt Figuren, gefertigt aus Elektrokabeln – eine elegante Abfallbeseitigung der anfallenden Restkabel aus der Elektrobranche. Ihre Arbeiten könnte man als «Energie-Recycling» bezeichnen. Ihr Thema ist der Mensch mit all seinen Facetten. Mit ihrem eigenen Stil und ihrer Technik präsentiert Emilia Eni ihr Konzept «Wir sind Energie» – Energie der Körper und Formen, die in ihren Skulpturen Gestalt annehmen. Mit viel Geduld, Genauigkeit und Feingefühl belebt sie ihre Skulpturen aus Elektrodrähten. Ein Ausdruck der Energie, die ihre Leidenschaft ähnlich einer wohlwollenden Wahnvorstellung, einem Atemzug, versorgt. Energie ist das Leben, ihre Figuren sind eine Erweiterung ihrer Lebensenergie. Hier sprechen Chaos und Ordnung.

Ein Tanz durch die Zeit
Esther Tschudin-Näf, die in Pfeffingen lebt, will mit ihren Arbeiten «dem Alltag seinen Platz einräumen». Ihr ist es wichtig, ihre Eindrücke in Bildern festzuhalten. «Alles, was mich berührt, wird für einen Moment wichtig», sagt die Künstlerin. Diese wichtigen Dinge hält sie fest, wobei es ihr nicht um eine Wertung geht. Selbstverständliches wird wichtig, Unschönes zum Kult. Manchmal kommen Worte dazu, verändern ihre Aussage oder werfen neue Fragen auf. Ihre Arbeiten sind wie ein Tanz durch die Zeit, aufgenommen und wiedergegeben. Die in Riehen ausgestellten Bilder stammen aus der Reihe «no work like ARTwork», produziert mit Acryl-Mischtechnik auf Leinwand.
Als gelernte Bildhauerin arbeitet die Emmenerin Sandra Autengruber mit Form-, Licht- und Materialwirkungen. Ihr stetiges Thema ist die ästhetische Bewegung. Die oft lebensgrossen Figuren scheinen sich zu drehen. Sie setzt ihre Arbeiten aus mehreren Teilstücken zusammen und präsentiert diese in Gruppen. Die Werke leben durch ihre Beziehungen zueinander, es ist ein Spiel mit übertriebenen konvexen und konkaven Formen. Durch die Kombination von Licht- und Formüberschneidungen wird der Betrachter auf Entdeckungsreise geschickt und es ergibt sich Raum für eigene Ideen. In den aktuellen Arbeiten bezieht Autengruber die Aussenwelt in ihre Figuren mit ein. Diese schimmert durch halbtransparente und durchlässige Strukturen hindurch. Je nach Tageszeit können die Skulpturen recht unterschiedlich wahrgenommen werden. So erscheinen sie leuchtend, auflösend oder formbetont.
Katharina Guggenbühl aus Bubendorf schliesslich zeigt Foto-Kunst- Malerei. Im Gegensatz zum werdenden Bild in der Malerei spricht die Fotografie an sich bereits eine Sprache. Die bewusste Auswahl von Bildteilen, deren digitale und/oder transfertechnische Bearbeitung gibt den Ausschnitten eine pointierte Aussagekraft. Das Bildmaterial wird mittels Collage und malerischen Effekten neu komponiert. Im Nebeneinander, Gegeneinander, Hintereinander, Übereinander werden die Elemente zu einem neuartigen Ganzen zusammengeführt. Teilweise darübergelegte und wiederum bearbeitete Wachsschichten verleihen Tiefe, Glanz und Sinnlichkeit. Ihre Bilder sprechen letztlich eine ganz spezifische, der Künstlerin eigene Sprache.

Elfi Thoma,
Präsidentin SGBK Basel

SGBK-Neumitgliederausstellung in der Galerie Burgwerk (Burgstrasse 160, Riehen). Mit den Künstlerinnen Sandra Autengruber, Emilia Eni, Katharina Guggenbühl, und Esther Tschudin. Kuratorin: Elfi Thoma. Ausstellung: 8. bis 24. April. Vernissage: Heute Freitag, 18–20 Uhr. Öffnungszeiten: Mi–So, 14–17 Uhr. Sa und So sind die Künstlerinnen anwesend.



Bilder und Skulpturen

Ausstellung 29 Einführungstext

Ausstellung  

5. - 20. März 2016

Vernissage    

Freitag,  4. März 2016, 17.30 - 20 Uhr

 

Marie Pierre 

Mitglied SGBK und visarte
Skulpturen

Rolf Jekal

Bilder

Helmut Vogt

Bilder

Ausstellung 29 Bilder 1

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Marie Pierre, "La Tête Ailleurs", Bronze, 57 cm, 2014

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Rolf Jekal

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Helmut Vogt

Riehener Zeitung 4. März 2016

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GALERIE BURGWERK: Werke von Marie Pierre, Rolf Jekal und Helmut Vogt

Drei künstlerische Positionen im Dialog

Gleich drei Kunstschaffende - eine Frau und zwei Männer - stellt die Galerie Burgwerk an der Burgstrasse 160 im März aus. Eröffnet wird die Ausstellung an der Vernissage von heute Freitagabend. 17.30-20 Uhr. Die Ausstellung dauert bis zum 20. März.

Marie Pierres Skulpturen
«Der Zeithorcher» ist eine von vielen Skulpturen (Bronze), die die Künstlerin im Lauf ihres Lebens geschaffen hat. Marie Pierre arbeitet mit unterschiedlichen Materialien - Ton, Gips, Holz, Kunstkeramik, Zinn - und meistens lässt sie die entstandenen Figuren auch noch in Bronze giessen. Es entstehen wirkungsvolle Skulpturen für den Aussen- und Innenbereich. Eindrücklich ist das Heer von Köpfen unterschiedlichster Grösse, zusammengenommen sind sie eine Metapher für das Antlitz der Menschheit schlechthin. Wir schauen sie an und sie zeigen uns das Leben jenseits der Maske von Botox und Facelifts. In die Unendlichkeit der Zeit, des Alls, der Vergangenheit und der Zukunft scheinen sie mehr zu horchen als zu blicken. In ihren asymmetrischen und eigenwilligen Gesichtern widerspiegeln sich die ganze Ambivalenz und Zerrissenheit unseres Daseins. Die Skurrilität des Lebens hat sie zu individuellen und einzigartigen Schönheiten geformt. Sie zeigen uns, dass nicht nur wir die Akteure sind, sondern dass das Leben auch uns gestaltet.

Helmut Vogts Kühe im Canyon
Helmut Vogt liebt Kühe und Bäume - und den Bryce Canyon: in den ausgestellten Serien, alles Radierungen in kleinen, originellen Längsformaten, lässt er sein Lieblingstier auftreten. In langen, ordentlichen Reihen dürfen es sich die Kühe gut gehen lassen beim kontemplativen Bestaunen der bizarren Steintürme des Bryce Canyons. Mal dürfen sie liegen, mal stehen und sich spiegeln, dann wieder sieht man sie aus der Vogelperspektive als abstrakt anmutende Herde sich in Orange oder Rot tummeln. Langweilig wird es ihnen - und uns beim Betrachten - nie.
Seine künstlerische Ausbildung erhielt Helmut Vogt an der freien Akademie für bildende Kunst und in den Ateliers von Raou Bustamante und Harald Herrmann in Freiburg im Breisgau. Bei Sanae Sakamoto bildete er sich in Kalligrafie, bei EdithSchmidt in Bern im Ätzdruck aus. Er lebt in Lörrach und arbeitet neben seiner künstlerischen Tätigkeit in einem sozialen Beruf in Allschwil.

Rolf Jekals Milchtütenradierungen
Rolf Iekal beschreibt seine Kunst so: «Seit mehreren Jahren befasse ich mich mit der Drucktechnik der Radierung, der meine besondere Liebe gilt. Hier hat sich für mich eine Technik als ideal herauskristallisiert, die ich als <Milchtütenradierung> bezeichne: Die innere Schicht von Tetrapackungen wird geritzt, eingefärbt und gedruckt. Dieses Verfahren kommt ohne Ätzung aus, ist einfach und dennoch sehr wirkungsvoll. Die Bilder in dieser Ausstellung sind mehrheitlich Drucke, die malerisch überarbeitet wurden, wobei als Druckstock auch öfters Naturmaterialien verwendet wurden, die als strukturelles Element durchscheinen.»
Ein wiederkehrendes Thema auf den Bildern Rolf Jekals in dieser Ausstellung ist der Kreis, das Rad, ältestes Symbol der Menschheitsgeschichte, dessen Bedeutung - unter anderem Vollkommenheit, Fortbewegung, Weiterentwicklung - immer wieder neu interpretiert werden will. Die menschliche Sehnsucht nach «Ganz-Sein» beziehungsweise «Ganz- Werden» wird verhindern, dass das «Rund» je aus der darstellenden Kunst verschwindet. Rolf Jekal stammt aus dem Nordschwarzwald und lebt in Weil am Rhein. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitet er als Sozialpädagoge in einem Kinderheim.

Irene Aeschbach

RZ 160304 Bilder 1 und 2

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Marie Pierre, Der Zeithorcher, Bronze, 77 cm.

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Rolf Jekal präsentiert malerisch überarbeitete Drucke.

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Helmut Vogt zeigt Werke in kleinen Längsformaten.